


Das Königreich Karletin
TIMELINE
800 Jahren vor dem 2. Exodus
TIMELINE
Die Annalen Kalêstrîns
Die Timeline der Annalen Kalêstrîn ist eine übersichtliche chronologische Zusammenfassung aller Ereignisse vor den Events des ersten Buches Syrphon und das Elbenmädchen.
Sie beginnt lange vor der Zeit der Kalêstrînars, noch vor ihrer Ankunft auf der Insel Hilian.
Sie reicht weit zurück, vor dem ersten und zweitem Exodus, bis zu ihren frühen Ursprüngen, etwa 3000 Jahren.
Jahr 800 vor dem zweiten Exodus
Zeitabstand ca. 1350 Jahre vor den Ereignissen von Syrphon und das Elbenmädchen
Kontinent Letania, noch früher Letar
Nach vielen Jahren des Konflikts mit den Linatars, der schließlich in der Vertreibung der Kalestrinars endet, beginnt für sie eine lange Flucht in den Süden. Erschöpft und heimatlos erreichen sie ein neues Land, das sie Karletin nennen. Dort hoffen sie, endlich Frieden zu finden und ihre Zukunft neu aufzubauen.

800 JAHRE
vor dem 2. Exodus
Die Neugeburt des
Landes Karletin
Ankunft der Kâlêstrînars

Der Berg Karteff
800-600 v. 2. Exodus - Ankunft der Kalêstrînars
Zwischen 800 und 600 V.2.E. finden die Kalêstrînars im Gebirge Karteff eine neue Heimat und beginnen dort ihr Leben neu zu ordnen.
Nach einer schweren Katastrophe schließen sie sich wieder zusammen, wählen einen gemeinsamen Führer und entwickeln erste feste Siedlungen.
Die Gemeinschaft wächst, entdeckt und nutzt die umliegende Landschaft und formt aus den frühen Dörfern eine aufstrebende Stadt.
Landwirtschaft, Handwerk und Bildung nehmen Gestalt an, Olivenplantagen werden angelegt und erste Bauwerke wie Mauern, Brücken und ein Palast entstehen.
Mit dem Ausbau von Straßen und einem Hafen beginnt auch der Handel. Erste Seefahrten wagen sich bis an den Nebel des Tiefenmeers.
Am Ende dieses Jahrhunderts erlebt das Volk die Geburt einer Königstochter und einen ungewöhnlichen Regen, der als Tränen der Götter gedeutet wird.


Die Tränen der Götter
600-503 V.2.E. - Die zehn Städte des Lichts
Im Zeitraum zwischen 600 und 500 vor dem Exodus erleben die Kalêstrînars eine bedeutende Wandlung.
In einer ungewöhnlich dunklen Nacht fallen einzelne blaue Lichtpunkte aus derselben Richtung vom Himmel.
Sie bewegen sich gleichmäßig, als stammten sie aus einem einzigen Ursprung. Diese Tränen der Götter landen verstreut über dem Land der Kalêstrînars und zeigen sofort eine besondere Wirkung.
Sie reagieren nur auf rein blütige Kalêstrînars und beginnen bei Krankheit oder Erschöpfung leicht zu heilen, ohne dass man versteht, welche Kraft in ihnen ruht.
In diesen Jahrzehnten entstehen rund um eine zentrale Siedlung mehrere neue Orte, die später Städte des Lichts genannt werden. Während diese Gemeinschaften wachsen, breiten sich die Olivenhaine in der fruchtbaren Umgebung des Wasserfalls Shaleff weiter aus und werden zu einem festen Symbol der Kultur der Kalêstrînars.
In dieser Epoche stirbt der König Taret von Karteff und König Saaret übernimmt die Herrschaft.
Gemeinsam mit seiner Frau begründet er eine umfangreiche Linie mit sechzehn Nachkommen.
In derselben Zeit findet König Saaret den ersten der fünfzehn Tränen der Götter am Wasser eines abgelegenen Wasserfalls, ein Ereignis, das später als Wendepunkt in der Geschichte der Kalêstrînars gesehen wird.

Im Jahr 579 v.2.E. findet König Saaret am Wasserfall Shaleff die erste der Tränen der Götter.
Dieser Fund wird für die Kalêstrînars ein wichtiger Anfang.

Blütezeit der Kâlêstrînars
500-440 V.2.E. - Das Wiederaufblühen
Zwischen 500 und 440 vor dem Exodus beginnt für die Kalêstrînars eine Blütezeit, in der sie nicht nur wachsen, sondern auch ihre eigene Vergangenheit wiederfinden. Viele alte Elemente ihrer früheren Kultur, die sie vor dem Krieg gegen die Linatars besaßen, kehren allmählich zurück.
Aus Sprache, Handwerk, Glauben und Wissen formen sich wieder jene Strukturen, die einst ihr Volk geprägt hatten.
In dieser Rückbesinnung liegt ein wichtiger Schritt, denn die Kalêstrînars lernen aus ihrer Vergangenheit und bauen darauf eine neue Zukunft auf.
Die Tränen der Götter bleiben in dieser Epoche ein zentrales Mysterium. Trotz intensiver Forschung versteht niemand ihr wahres Wesen, doch ihre Wirkung ist unbestreitbar.
Zehn dieser kristallenen Splitter wurden bislang gefunden und entfalten starke Kräfte.
Sie fördern Heilung, schärfen das Wissen, stärken die Fruchtbarkeit der Felder und erzeugen ein bemerkenswert klares Bewusstsein in ihrer Nähe.
Die Tränen werden den wenigen Reinblütigen anvertraut und auf besondere Weise getragen.
Männer tragen sie meist als Amulett, während Frauen sie als kleine Binde vor dem Bauch befestigen.
Dies gilt als Zeichen der Wiedergeburt und als Würdigung der Rolle der Frauen, die neues Leben schenken und so die Zukunft des Volkes sichern.
Für die Kalêstrînars ist dies ein stilles Band zwischen ihrem Volk und den Göttern, eine Erinnerung daran, dass ihnen in einer Zeit der Flucht und des Neubeginns unerwartete Hilfe zuteil wurde.

Rund um das Bergland Karteff enstehen neue Siedlungen, die durch die Hilfe der Tränen der Götter erblühen.

Die Rückher der Linatars
440-428 V.2.E. - Erste Vorahnungen
Im Jahr 440 vor dem zweiten Exodus verändern sich die Nachrichten aus dem Norden.
Händler kehren nicht zurück, Reisende sprechen von eroberten Landen und von einem Heer, das unbeirrbar nach Süden zieht.
Für viele ist es nur ein fernes Gerücht, doch für die Kalêstrînars ist es ein vertrautes Zeichen.
Sie spüren, dass die Macht, die sie einst vertrieb, wieder in Bewegung ist.
In den Jahren danach verdichten sich die Hinweise.
Flüchtlinge erreichen Karteff und berichten von denselben Bannern und derselben Härte, die einst ihr Volk an den Rand der Vernichtung gebracht hatten. Zwölf Jahre vergehen, in denen die Gewissheit wächst, dass die Linatars zurückgekehrt sind.
Die Kalêstrînars bereiten sich still darauf vor, lange bevor ein einziger Feind in Sichtweite ist.
Sie beobachten die nördlichen Wege, verstärken ihre Siedlungen und beginnen, das Gebirge genauer zu erkunden.
Sie wissen, dass nur wenige Übergänge den Norden mit dem Süden verbinden und dass die Linatars diese Wege eines Tages nutzen könnten, um weiter vorzurücken.
Aus diesem Grund wählen die Kalêstrînars einen bestimmten Ort tief im nördlichen Gebirge aus, weit entfernt von den Tälern um Karteff.
Als die ersten Banner der Linatars schließlich im Dunst der Berge auftauchen, stehen sich die beiden Völker am Romar Pass zum ersten Mal seit fast vier Jahrhunderten wieder gegenüber.
Dort beginnt der erneute Konflikt, und die Geschichte der Kalêstrînars nimmt eine neue Wendung.

438 v.2.E. Prinzessin Karnelianin von Karteff steht mit ihren Brüdern Romikian und Tritian vor dem knienden Bauern und hört seine Worte über die Invasoren.
Zum ersten Mal erreicht sie die Nachricht, dass der Norden nicht mehr sicher ist.

Die Schlacht am Romars Pass
425 V.2.E. - 1. Schlacht
Im Jahr 428 vor dem Exodus wissen die Kalêstrînars, dass sich im Norden etwas Gefährliches zusammenzieht.
Seit zwölf Jahren mehren sich Berichte von Flüchtlingen, verschwundenen Händlern und Heeren, die ganze Regionen verschlingen.
Immer deutlicher wird, dass die Linatars wieder vorrücken, jene Macht, die die Kalêstrînars vor Jahrhunderten aus ihrer alten Heimat vertrieben hatte.
Um ihre wahre Siedlung zu schützen, wählen die Kalêstrînars bewusst den Romar Pass, weit entfernt von jedem Pfad, der nach Karteff führt.
Die Armee der Kalêstrînars besteht aus 4000 Kriegern, 2000 freiwilligen Bürgern und 200 schwer gerüsteten Rittern, angeführt von Sereth Calendor, einem Neffen des Königs, nimmt sie im engen Pass Stellung.
Die Linatars senden eine Vorstoßtruppe von 8000 Soldaten unter General Raigo Gren.
Beide Seiten marschieren in das Gebirge, ohne zu wissen, wie entscheidend dieser Tag werden wird.
Als die Linatars tief genug in den Pass vordringen, beginnt die Schlacht.
Die Kalêstrînars lösen Felsbrocken, greifen aus der Deckung an und zwingen die feindlichen Reihen auseinander.
Der Sieg am Romar Pass trifft die Linatars völlig überraschend.
Sie hatten nicht erwartet, hier auf eine gut vorbereitete Streitmacht zu treffen und erst recht nicht auf ein Volk, das sie längst für ausgelöscht hielten.
Die Erkenntnis, dass die Kalêstrînars überlebt haben und imstande sind, eine Linatar Einheit zu schlagen, erschüttert die Vorstoßtruppe.
Die Kalêstrînars jubeln über ihren Triumph, doch sie spüren auch die Schwere dieses Moments.
Dieser Sieg ist nur der Anfang. Sie wissen, dass die Linatars zurückkehren werden, stärker und entschlossener, und dass der eigentliche Konflikt erst jetzt beginnt.

Die Schlacht am Romar Pass (425 v.2.E) entscheidet sich für den Sieg der Kalêstrînars was die nötige Zeit verschafft für die Konstruktion der Carpalego Flotte.

Die Stille vor dem Sturm
425-416 V.2.E. - Die Tränen der Götter und Meeresnebel
Nach der Schlacht am Romar Pass im Jahre 425 vor dem zweiten Exodus beginnt für das Königreich Karletin eine entscheidende Phase. Die wenigen überlebenden Linatars ziehen sich zurück und ihre Berichte sind widersprüchlich, voller Verwirrung und kaum verwertbar.
Für die Kalêstrînars ist das ein Geschenk, denn diese Unklarheit gibt ihnen wertvolle Zeit.
Im gesamten nördlichen Gebirge stationieren die Kalêstrînars nun kleine Speergruppen.
Gleichzeitig entstehen im Rat von Karletin lange und ernste Debatten. Einige fordern einen entschlossenen Ausbau des Militärs, andere hoffen auf Verhandlungen.
Während diese Diskussionen andauern, entdeckt man eine bemerkenswerte Wirkung der Tränen der Götter.
Die reinblütigen Kalêstrînars, die diese Kristalle während der Schlacht getragen hatten, berichten von gesteigerter Kraft, außergewöhnlicher Konzentration und einem unerschütterlichen Mut. Zum ersten Mal beginnen Priesterinnen, Gelehrte und Krieger gemeinsam, die Tränen gründlich zu erforschen. Man erkennt, dass ihre Wirkung nicht nur heilend ist, sondern auch Geist und Wahrnehmung beeinflussen kann.
Gleichzeitig wagen die Kalêstrînars erstmals wieder größere Fahrten über das Meer.
Mehrere Schiffe stoßen hinaus in unbekannte Richtungen, doch überall erreichen sie die gleiche gewaltige Erscheinung.
Eine mächtige Wand aus Nebel, hoch wie ein Gebirge und undurchdringlich. Einige Schiffe kehren zurück und berichten von chaotischen Strömungen und Winden, die nicht den Gesetzen des Meeres folgen. So beginnt im Reich auch eine neue Art der Forschung, die sich dem Geheimnis dieses Nebels widmet, der wie eine Grenze der Welt wirkt.
Diese neun Jahre nach der Schlacht sind geprägt von Vorsicht, Wissenschaft und dem stillen Aufbau einer gewaltigen Verteidigungslinie in den Bergen. Das Reich bereitet sich darauf vor, Zeit zu gewinnen, solange es nur irgendwie möglich ist.

Es wird debattiert, wie man als Nächstes mit den Tränen der Götter verfahren soll. Gelehrte und Mystiker werden sich über Jahrzehnte hinweg damit beschäftigen müssen.

Krieg
415-335 V.2.E. - Der Fünf Jahrzehnte Krieg
Im Jahre 380 beginnen die Linetars den neuen Krieg, als sie das Grenzland um den See von Marovel überfallen. Die Kämpfe breiten sich rasch aus und werden zu einem zermürbenden Konflikt, der die Kalestrinars sehr erschöpft.
Drei Jahre später stehen am Veyron Pass zweitausend Kalêstrînars gegen sechstausend Feinde.
Trotz der Übermacht erzwingen sie einen Rückzug und zeigen, wie stark ihre Verteidigung im Gebirge geworden ist.
Im Jahre 368 entscheidet ein Duell das Schicksal der Ebenau Schlacht.
Ritter Almarin besiegt den linatarischen General Koravel.
Die feindlichen Reihen brechen zusammen und die Kalêstrînars erringen einen seltenen Sieg im offenen Feld.
Nur wenige Jahre später trifft das Reich ein schwerer Schlag.
Die Stadt Hamarin fällt durch Verrat, als bestochene Torwachen die Verteidigung aufgeben.
Die feindlichen Truppen marschieren ein und die Stadt geht verloren.
Königin Marlaya von Karletin ruft im Jahre 358 die Verteidigung der acht Städte aus. Neue Mauerringe werden errichtet und jede Stadt wird in eine Festung verwandelt, da der Krieg immer härter wird.
In der Seeschlacht bei Shaleff werden mehrere linatarische Schiffe durch Feuer vernichtet.
Die Kalêstrînars sichern damit erstmals seit langem die Kontrolle über ihre Gewässer.
Wenig später graben die Linetars Tunnel unter die Mauern von Careym. Kalêstrînische Späher entdecken die Gänge und fluten sie mit Flusswasser, womit die Einnahme der Stadt verhindert wird. Hunderte von Linatars ertrinken in den unterirdischen Tunneln.
Im Jahre 345 gelingt es den Linetars, noch einmal die nördliche Grenzstadt einzunehmen.
Doch die verbliebenen Wächter der königlichen Linien durchbrechen ihre Formationen mit Licht und Feuer und treiben sie zurück.
Nach fünf Jahrzehnten erschöpfender Kämpfe schwindet die Kraft beider Reiche.
Im Jahre 342 endet der Krieg in einem brüchigen Waffenstillstand, der kaum mehr ist als ein erschöpftes Schweigen.
Im Jahre 340 beginnt im königlichen Haus eine neue Hoffnung, als Arnalia, die Schwester der Königin, den Krieger Arrelöf heiratet und schwanger wird. Karletinia wird geboren.

In der Stadt Careym, kalêstrînische Späher entdecken die Gänge und fluten sie mit Flusswasser, womit die Einnahme der Stadt verhindert wird. Hunderte von Linatars ertrinken in den unterirdischen Tunneln.

Karletinia und die Prophezeiung
335 - 250 V.2.E. - Die Geburt des Buches Ethêrÿl
Karletinia wird unter dem Blutmond geboren und wächst in einer Zeit des Stillstands auf, in der das Reich keinen Angriff der Linatars mehr erlebt.
Die Pässe zum Süden bleiben streng bewacht und niemand weiß, ob die Linatars sich zurückziehen, ihre Kräfte sammeln oder etwas Größeres vorbereiten.
Schon als junges Mädchen zeigt Karletinia eine ungewöhnliche Ruhe und geistige Tiefe, die das Volk früh wahrnimmt. Mit den Jahren lernt sie die Bedeutung der Tränen der Götter kennen. Jede der großen Familien besitzt einen eigenen Stein,
inzwischen sind es zehn, und Karletinia trägt die einzige vollkommen glatt geschliffene, blau schimmernde Träne, bekannt unter dem Namen „Equalîna“.
Je intensiver sie sich mit ihrem Stein verbindet, desto mehr erkennt sie darin Dinge, die anderen verborgen bleiben.
Auf Reisen durch das Reich spricht sie mit dem Volk, schlichtet Aufstände durch Worte und begegnet Einsiedlern, die ihr die höheren Geheimnisse der alten Lehren erklären.
Ihre Gabe wächst, und sie beginnt zu ahnen, dass jede Träne der Götter eine eigene Natur, eine eigene Stimme und einen eigenen Sinn besitzt.
Während ihre Fähigkeiten tiefer werden, gelangt sie zu der Überzeugung, dass die Tränen kein Zufall sind und ein verborgenes Netz aus Geschichte und Bestimmung in sich tragen.
Eines Sommerabends sitzt sie mit ihrem Ehemann unter einem Olivenbaum und blickt hinab auf die Stadt am Berg Karteff. Der Vollmond steht über ihnen, als plötzlich drei Sterne neben ihm beginnen zu glitzern, während „Equalîna“ im gleichen Augenblick ein sanftes blaues Licht ausstrahlt.
Ihr Ehemann erkennt die Bedeutung des Moments. Er holt ein Pergament hervor und beschließt, von nun an alles aufzuzeichnen, was das Volk erlebt hat und noch erleben wird.
So entstehen die Ersten Gedanken des Buchs Ethêrÿl, das große Gedächtnis ihres Volkes, geboren in einer Nacht, in der Himmel, Sterne und die Tränen der Götter miteinander gesprochen zu haben scheinen.
Karletinia mit ihrem Ehemann und die drei Sternen am Himmel


Die Abenteuer von Karletinia
300-250 V.2.E. - Über Land und See
Karletinia wächst mit den Jahren in die Rolle einer Regentin hinein, Seite an Seite mit ihrem Ehemann. Während das Reich äußerlich in Frieden lebt, erkennt sie früh, dass die Ruhe im Norden trügerisch ist.
Die Linatars mögen schweigen, doch sie weiß, dass dieses Schweigen nicht ewig währt. Darum widmet sie sich vor allem der Frage, wie man auf eine mögliche Rückkehr der Linetars vorbereitet sein kann.
Ihre ersten Aufgaben führen sie durch viele Regionen des Reiches. Sie stabilisiert Städte, organisiert neue Mauern und Festungen und fördert den Ausbau strategischer Wege und Grenzposten.
Unter ihrer Leitung werden Rüstungen verbessert, Handwerke gestärkt und die Sprache ihres Volkes gepflegt und weiterentwickelt, damit Tradition und Identität nicht verloren gehen. Sie sorgt dafür, dass das Land im inneren Zusammenhalt bleibt, während der Norden ungewiss bleibt.
Die Forschungen am Meer führen zu einer weiteren Aufgabe, die Karletinia besonders beschäftigt.
Viele Forscher berichten von der Wand aus Nebel, die wie ein Ende der Welt wirkt. Ihre Schiffe kehren erschöpft oder gar nicht zurück, aber das Rätsel lockt immer mehr Gelehrte an. Karletinia erkennt darin eine mögliche Lösung für die Zukunft, sollte der Krieg mit den Linatars jemals erneut entflammen.
Sie erwägt zwei Wege. Der erste ist ein endloser Abwehrkrieg im Norden, gestützt durch Mauern, Festungen und kluge Taktiken. Der zweite ist radikaler. Falls alles scheitert, müsste ihr Volk über das Meer fliehen können.
Daraus entsteht der Gedanke einer großen Flotte, der Carpalego Flotte, welche im schlimmsten Fall das Überleben des Volkes sichern könnte.
Doch dieser Gedanke stößt auf viel Widerstand, denn niemand will den Gedanken akzeptieren, die Heimat verlassen zu müssen.
Dennoch lässt Karletinia die Forschungen weiterlaufen. Schiffsbauer entwickeln neue Formen der Rümpfe, Gelehrte versuchen, den Nebel zu verstehen, und Kundschafter suchen nach Stellen an den Küsten, die sich für Werften eignen. Auch wenn es noch Jahre dauern wird, entsteht unter ihrer Herrschaft der erste Keim jener großen Idee, die später eine entscheidende Rolle spielen wird.
Karletinia Abenteuer sind weniger von Schlachten geprägt als von Entscheidungen, Weitsicht und Entdeckungen.
Es sind die Jahre, in denen sie lernt, dass eine Regentin nicht nur ihr Volk führt, sondern auch für die Zukunft denken muss, lange bevor der Feind zurückkehrt.

Karletinia beim Durchstreifen der Wälder um Karteff auf der Suche nach weiteren Tränen der Götter.

Die Carpalego Flotte
290 V.2.E. - Die 20 Schiffe der Zeit
Im Zeitraum von 290 bis 220 vor dem zweiten Exodus wächst die Carpalego Flotte von einer gewagten Idee zu einem Unternehmen, das das Reich tief verändert. Die ersten großen Karavellen entstehen, monumentale Schiffe mit Raum für bis zu sechzig Menschen.
Ihr Bau verschlingt enorme Mengen an Holz, Metall, Stoffen und Werkzeugen und fordert die Ressourcen des Reiches stärker als jedes frühere Projekt. Doch Karletinia treibt alles unbeirrt voran, überzeugt davon, dass diese Flotte eines Tages über das Schicksal ihres Volkes entscheiden kann.
In dieser Phase begegnet sie dem Architekten Varun, einem Mann mit scharfem Geist und ungewöhnlicher Vorstellungskraft. Zwischen ihnen entsteht schnell eine enge Freundschaft. Varun ist der Erste, der die Kräfte der Erde selbst untersucht.
Nach vielen Fehlschlägen erkennt er, dass Schwerkraft und ein innerer Zug der Welt die Steine beeinflussen. So entsteht der erste einfache Kompass.
Allen ist bewusst, dass er im Nebel unzuverlässig wird, doch bleibt er die einzige Möglichkeit, nicht im Nichts zu verschwinden.
Während die Flotte wächst, ziehen dunkle Schatten über die Werften. Sabotagen häufen sich. Pläne verschwinden.
Gerüste stürzen in der Nacht ein. Teile der Bevölkerung wollen bleiben und betrachten jede Flucht als Verrat, andere folgen Karletinias Vision und sehen im Meer die einzige Zukunft, falls das Reich fallen sollte. Die politische Debatte wird heftig und spaltet das Land.
Gleichzeitig arbeiten Gelehrte an der Versorgung. Wie viele Menschen kann eine Galere oder Karavelle ein halbes Jahr ernähren. Reicht es für ein ganzes Jahr oder sogar zwei auf offener See.
Ist dies nur mit größeren Schiffen denkbar. Sie experimentieren mit getrocknetem Obst, gepökeltem Fleisch, neuen Filtern für Trinkwasser und der Lagerung in Tonbehältern.
Im Jahre 220 vor Exodus, nach Jahrzehnten voller Mühen, Rückschläge und Entdeckungen, stehen acht große Galeren, sieben Karavellen und eine einzelne Fregatte bereit.
Die Carpalego Flotte ist geboren. Sie ist noch nicht vollkommen und nicht imstande, ein ganzes Volk zu tragen, doch sie ist stark genug, um Hoffnung zu wecken und zu zeigen, dass Karletinias Vision mehr ist als ein Traum.
Hafen von Shaleff beim Bau der Carpalego Flotte


Karletinias Vision
Zusatz-Information
Karletinia folgt einem inneren Ruf und segelt mit dem ersten brauchbaren Schiff in den Nebel, überzeugt davon, dass dort eine verborgene Wahrheit liegt.
Im Nebel verschwinden Himmel und Orientierung, die Winde drehen sich ohne Muster und das Meer wirkt schwer, als ruhe darin eine fremde Kraft.
Kleine Inseln tauchen kurz auf und verwischen jede Richtung. Für Karletinia entsteht die Gewissheit, dass dieser Nebel nicht natürlich ist.
Ihre Träne der Götter reagiert leise und bestätigt ihr Gefühl, dass hier eine tiefere Macht wirkt.
In einer stillen Nacht fällt sie in eine Vision.
Sie sieht ein zerstörtes Schiff, verbrannt und gezeichnet von Kämpfen.
Am Bug steht eine blonde junge Frau, erschöpft und zugleich entschlossen, umgeben von Menschen, die wie Kalêstrînars wirken und dennoch Hoffnung in sich tragen.
Vor ihnen öffnet sich der Nebel und gibt einen riesigen Kontinent preis.
Hohe Klippen und ein mächtiger Wasserfall bilden ein Tor, das wie der Eingang in eine neue Welt wirkt.
Beim Erwachen leuchtet ihre Träne der Götter sanft und ruhig.
Karletinia versteht, dass diese Vision eine mögliche Zukunft zeigt.
Sie kehrt zurück mit der klaren Gewissheit, dass der Weg über das Meer notwendig ist und dass ihre Flotte eines Tages den Schlüssel zu dieser neuen Welt tragen wird.

Karletinas Vision während ihrer Reise durch das Nebelmeer.

Der Wanderer
220 - 150 V.2.E. - Im Zwiellicht
Esmarina, Tochter von Karletinia wächst in einer Zeit auf, in der das Reich zwischen Hoffnung und Furcht lebt.
Während die Capoalego Flotte wächst, erscheint der Wanderer Harnak und behauptet, aus einer Welt jenseits des Nebels zu stammen.
Diese Behauptung fasziniert Esmarina sofort, denn niemand hat je den Nebel durchquert und davon berichtet.
Am Hof wirkt Harnak ruhig, doch Cales bemerkt früh Widersprüche in seinen Erzählungen und warnt Esmarina, als Harnak beginnt, sie in ihren Studien zu begleiten.
Auf einer Expedition verschwinden zwei Schiffe spurlos. Harnak deutet dies als Prüfung des Nebels, eine Erklärung, die viele akzeptieren.
Cales erkennt darin ein beunruhigendes Muster. Kurz darauf inszeniert Harnak während eines Überfalls eine eindrucksvolle Rettungsaktion und gewinnt großes Vertrauen.
Als Harnak dem Hofrat angebliche Informationen über linatarische Bewegungen überreicht, führt dies zu unerwarteten Erfolgen im Norden.
Viele sehen in ihm einen glückbringenden Berater, dessen Worte zur richtigen Zeit kommen. Sein Einfluss wächst stetig und übertrifft bald die Stimmen alter Familien.
Esmarina begleitet ihn später in eine zurückeroberte Stadt.
Zwischen den verbrannten Mauern deutet Harnak an, dass ihr Schicksal mit seinem verbunden sei. Seine Worte wirken freundlich, doch Esmarina spürt darin einen verborgenen Schatten.
Harnak begegnet Esmarina der Tochter von Carlettinia zum ersten Mal.


Die Saat des Bösen
150-100 v.2.E. - Was niemand kommen sah
Die Jahre vergehen und Harnak steigt zum gefeierten Helden auf, besonders nachdem Esmarina ihn im Jahre 150 heiratet. Viele sehen in ihm einen Bewahrer des Friedens, nur Cales bleibt misstrauisch.
Bald beginnt Harnak, das Reich vollständig zu analysieren.
Er sammelt Daten über Truppen, Handel und Vorräte. Offiziell dient dies der Sicherheit, doch Cales spürt eine Vorbereitung auf etwas Unausgesprochenes. Gleichzeitig errichtet Harnak ein weitreichendes Netz aus Informanten.
Esmarina leidet unter ihrer Kinderlosigkeit und sucht Halt bei Harnak.
Dadurch gelingt es ihm, Cales als ängstlich und veraltet darzustellen. Zwischen Esmarina und ihrem alten Mentor wächst langsam eine Kluft.
Als Harnak neue Befestigungen bauen lässt, lobt das Volk seine Umsicht, ohne zu ahnen, dass er geheime Schwachstellen einbauen lässt, die nur ihm bekannt sind. Merkwürdige Unglücke und geschickt verdrehte Tatsachen lassen Cales öffentlich unsicher wirken, sein Ruf beginnt zu bröckeln.
Gegen Ende des Jahrhunderts ist Harnak beinahe unantastbar.
Das Volk verehrt ihn, der Adel schätzt seine klaren Reden und Esmarina hält ihn für den stabilsten Pfeiler des Reiches.
Doch Cales forscht weiter. Schließlich deckt er eine große Täuschung auf, die Harnak im Senat vorbereitet hatte. In einer dramatischen Versammlung enthüllt Cales die Manipulationen. Harnak reagiert sofort und flieht. Dabei sterben drei Reinblütige und mehrere Gardisten.
Harnaks Spur verliert sich im Norden.
Das Volk wird misstrauisch, die Ratskammern sind voller Angst, und Esmarina bricht innerlich zusammen und zieht sich aus vielen Aufgaben zurück.
Am Ende bleibt ein Reich, das weniger durch äußere Feinde verletzt wurde als durch Intrigen aus dem Inneren. Esmarina trauert, Cales trägt die Last seines Wissens und Harnaks Name wird zu einem düsteren Flüstern.
Verrat von Harnak an Esmarina in Karletin. Cales entlarvt ihn un einer atemberaubende Debatte.


Aeron der König von Karletin
50-27 v.2.E. - Die Entscheidung Aerons
Nach den Ereignissen um den Verrat an Esmarinas, liegt über dem Reich Karletin eine schwere, stille Zeit. Das Vertrauen in die Reinheit der alten Linien ist erschüttert, und die Spaltung zwischen Adel und Volk wächst.
Einige Jahre später begegnet sie einem adeligen Kalêstrînar namens Alvérion, einem Mann von ruhiger Stimme und fester Haltung.
Aus dieser Ehe wird ein Sohn geboren, der Erbe Karletins.
Sein Name ist Aeron. Schon früh zeigt er ein starkes Pflichtgefühl, aber auch einen wachen Verstand.
Im Jahre fünfzig vor dem Exodus besteigt Aeron mit nur siebzehn Jahren den Thron.
Esmarina lebt noch, doch ihr Einfluss schwindet, und der junge König muss das Erbe seines Volkes fast allein tragen.
Sein größter Wunsch ist, dass das Erbe seines Volkes weiterlebt.
Als seine Tochter geboren wird, im Jahre dreißig vor dem Exodus, nennt er sie Calestrinia.
Zu Ehren der ersten Trägerin des göttlichen Steins. Das Volk sieht in ihr das Zeichen einer Wiedergeburt.
Ihre Geburt markiert den Anfang des letzten Kapitels vor dem Exodus, den Moment, an dem die Hoffnung wieder Form annimmt.
Aeron der I


Geburt der letzten Königin
27 v.2.E. - Calestrinia
Aeron wächst mit der Last einer Geschichte auf, die durch seine Mutter schwer erschüttert worden ist.
Als er später selbst Vater wird, sucht er nach einem Weg, die gebrochene Linie wieder zu heilen und die Ehre seiner Familie neu zu begründen.
In dem Moment, in dem seine Tochter geboren wird, trifft er eine Entscheidung, die weit mehr bedeutet als ein Name.
Er nennt sie Calestrinia, zu Ehren seiner Großmutter Carletinia, jener großen Herrscherin, die einst das Reich vor dem Zusammenbruch bewahrte und die mächtige Carpalego Flotte erschaffen ließ.
Carletinia hatte das Land geeint, die Armeen gestärkt, die Städte befestigt und eine Vision von Zukunft geformt, die bis heute über den Hafenmauern von Karletin schwebt.
Aeron verehrt diese Großmutter seit seiner Kindheit.
In ihren Taten erkennt er alles, was verloren gehen könnte und alles, was es wiederzugewinnen gilt.
Daher sieht er in Calestrinia die Möglichkeit, die Größe ihrer Ahnen neu zu entfachen.
Er schwört, sie zu erziehen zu einer Königin, die nicht nur herrscht, sondern führt, nicht nur kämpft, sondern bewahrt.
Die Carpalego Flotte selbst ist ein stilles Denkmal an Carletinias Mut.
So wird Calestrinia geboren in einem Reich, das gleichzeitig blutet und hofft.
In ihr sollen die Tugenden Carletinias wieder aufleben und das Volk soll in ihr erkennen, dass die Linie der Kalêstrînars noch nicht gebrochen ist.
Die Geburt von Prinzessin Calestrinia.


Abnützungskrieg Karletins
27-7 v.2.E. - Das Ende naht
Der Krieg beginnt mit einem tiefen Grollen, das niemand versteht.
Im ersten Jahr hören die Späher ein Rumoren in den nördlichen Schluchten, kurz darauf erscheinen linatarische Legionen in endlosen Heeren, die durch jeden Pass und jeden vergessenen Pfad vordringen.
Trotz verstärkter Stellungen unter König Aeron wird schnell klar, dass dies ein Krieg von neuer Härte ist.
Im zweiten Jahr belagern die Linatars Ervasan.
Drei Wochen halten die Verteidiger stand, ein stoßtrupp aus Karletin kann den Feind kurz zurückdrängen, doch noch am Abend kehren die Angreifer zurück, als wären ihre Kräfte grenzenlos.
Im dritten Jahr stürzen zwei Drachen über die Felder von Sharan herab.
Karet fällt an einem einzigen Nachmittag unter ihren Feuerstößen.
Die Nachricht erschüttert das Reich tiefer als jede Niederlage zuvor.
Im vierten Jahr sind Flucht und Erschöpfung überall spürbar.
Städte werden geräumt, Dörfer brennen, neue Verteidigungslinien entstehen. Calestrinia, nun zehn Jahre alt, sieht verletzte Soldaten und verzweifelte Familien.
Ihr Vater lehrt sie, dass Mut bedeutet, das Richtige zu tun, auch wenn alles zerfällt.
Im fünften Jahr gelingt den Linatars ein Vorstoß über einen kaum bekannten Pfad. Bei Aratin kommt es zur nächtlichen Schlacht, die bis zum Morgengrauen wütet.
Das Tal ist verwüstet, doch der Vormarsch wird aufgehalten.
Im sechsten Jahr verschwinden die Drachen. Niemand weiß warum, doch die Pause erlaubt Aeron, die Carpalego Flotte zu erweitern, auch wenn viele bereits über die Flucht auf das Meer nachdenken.
Als der siebenjährige Sturm endet, ist das Reich verwundet, Berge geschwärzt, Städte zerstört.
Doch Karletin steht und Calestrinia beginnt zu begreifen, dass ihre Zukunft Entscheidungen tragen wird, die über das Schicksal ihres Volkes entscheiden.
Die Schlacht bei Sharan.


Die Erbin eines Volkes
12 v.2.E. - Das Ende einer Ära
Calestrinia ist fünfzehn, als sie sich entgegen allen Traditionen dem militärischen Weg zuwendet. Ihr Vater erkennt ihre Entschlossenheit und vertraut ihr. Die Ausbildung ist hart, doch sie wächst in die Rolle hinein, die das Reich braucht.
Als ihr Vater erkrankt, wird klar, dass sie den Thron früher übernehmen muss.
Der Krieg verschärft sich und die Verluste sind zu groß.
Calestrinia öffnet den Dienst für Frauen und erschafft neue Einheiten, die das Reich mehrfach retten. Dadurch steigt ihre Bedeutung im ganzen Land.
An ihrer Seite wächst Castraphon heran.
Er bewundert sie und kämpft zugleich mit stillem Neid. Beide lieben ihr Reich, doch sie denken unterschiedlich.
Calestrinia plant langfristig, Castraphon sucht nach sichtbarer Stärke.
Diese Unterschiede führen zu Spannungen, besonders als sie ihn in zwei Schlachten retten muss.
Er erkennt ihre Weitsicht, doch es belastet ihn, immer wieder hinter ihr zu stehen.
Während das Reich in jahrzehntelangen Kämpfen immer weiter zurückgedrängt wird, wächst die Carpalego Flotte heran.
Für Kalestrinia ist sie ein notwendiger Weg in die Zukunft. Für Castraphon wirkt sie wie ein Zeichen der Angst.
Zwischen ihnen entsteht ein stiller Kampf darum, welchen Weg das Reich gehen soll.
Als die Linatars schließlich kurz vor Karletin stehen, ist die Flotte vollendet. Zwanzig Schiffe, fähig das Volk zu retten.
Nun müssen Calestrinia und Castraphon eine Entscheidung treffen, die nicht nur über den Krieg, sondern über ihr gesamtes Volk entscheidet.
Calestrinia zuammen mit ihrem Vater Aeron I.


Belagerung von Karletin
7-1 v.2.E. - Die Letzten von Karletin
In den letzten Jahren vor dem Exodus liegt ein schwerer Schatten über dem Reich der Kalêstrînars.
Die Linatars erneuern ihre Kräfte und dringen in einer gewaltigen Bodenoffensive immer tiefer ins Land ein.
Festungen, die jahrzehntelang standgehalten haben, fallen nacheinander.
Flüchtlingsströme drängen sich in Richtung Karletin und die Verteidigungslinien werden enger und verzweifelter.
Schließlich erreichen die großen linatarischen Legionen die Ebene vor der Hauptstadt am Berg Karteff.
Die Belagerung beginnt mit ungeheurer Wucht. Feuerpfeile und Rammböcke prasseln Tag und Nacht auf die Mauern.
Doch das Volk gewinnt Kraft aus reiner Not.
Männer Frauen und Jugendliche wie auch Kinder verteidigen jede Lücke, reparieren jede Bresche und halten die Tore geschlossen.
Königin Calestrinia begleitet von Castraphon, steht selbst auf den Wällen, oft mit rußgeschwärztem Gesicht und einer Stimme, die selbst in der dunkelsten Stunde Mut schenkt.
Doch ein zweites Problem legt sich wie ein grauer Ring um die Stadt. Die linatarischen Schiffe blockieren die Hafenausfahrt.
Es sind keine großen Kriegsschiffe, eher einfache robuste Küstenboote, doch ihre Stellung im engen Küstenbogen verhindert jeden Ausbruchsversuch.
Die Carpalego Flotte im Hafen ist die Krone der kalêstrînischen Schiffstechnik, gewaltige Fregatten, hochseetauglich, schnell und gebaut für ferne Reisen.
Die Ironie schmerzt. Auf dem Meer sind die Kalêstrînars den Linatars weit überlegen, fast um ein Jahrhundert, doch selbst eine große Fregatte kann nicht fahren, wenn sie keine Durchfahrt findet.
Wochen werden zu Monaten.
Die Mauern halten. Die Vorräte reichen. Das Volk kämpft tapfer. Trotz der bedrängten Lage wirkt Karletin noch nicht verloren.
Calestrinia weiß, dass sie nur einen letzten Schimmer Zeit braucht. Einen einzigen Moment, um den Hafen zu öffnen und die Flotte ins freie Meer zu bringen.
Doch dann nimmt der Krieg eine Wendung, die niemand vorhergesehen hat.
Nicht das Heer vor den Toren, nicht die kleinen Schiffe draußen im Küstenwasser, nicht Hunger und nicht Feuer brechen den Widerstand.
Es ist etwas anderes.
Etwas, das alle Pläne über die Flucht und alle Hoffnungen des Reiches in Gefahr bringt....
Drachen…..
Die Linatars dringen in Karletin ein.
Die Niederlage der Kalêstrînars ist endgültig.


Exodus 2.0
0 n2.E. - Der Fall von Karletin
Nach der langen Belagerung fällt Karletin in einer einzigen Nacht. Die Linatars nutzen geheime Zugänge, die nur durch den Verrat jenes Mannes bekannt geworden waren, der einst Esmarina getäuscht hatte. In der brennenden Stadt toben Kämpfe in jeder Straße.
Drachen werfen Feuer herab, Türme stürzen ein und die Bevölkerung rennt in wilder Panik Richtung Hafen.
Calestrinia flieht gemeinsam mit Castraphon und die wenig verbliebenen reinblütigen Kalêstrînars. Unterwegs stellt sich ihnen ein Schattenmagier entgegen.
Seine Macht ist überwältigend und zwei Träger der Tränen der Götter sterben im Kampf.
Die Gruppe entkommt nur knapp und erreicht schließlich den Hafen, der im Chaos versinkt.
Menschen drängen sich aneinander, Soldaten fallen an den Docks und die Luft ist voller Rauch und Schreie.
Die Carpalego Flotte flieht bereit, doch der Feind hat weite Teile des Hafens erreicht.
Eine der großen Fregatten wird von linatarischen Feuersteinen getroffen, bricht auseinander und sinkt direkt am Dock.
Hunderte, die sich darauf gerettet hatten, werden in die Tiefe gerissen.
Andere Schiffe stoßen verzweifelt vom Ufer ab.
Pfeile und brennende Geschosse fallen wie Regen über die Ausfahrt. Die kleineren linatarischen Boote versuchen, die Flotte abzufangen, doch die mächtigen Kalêstrinar Fregatten pflügen durch die Reihen der Feinde.
Während ihr eigenes Schiff losstößt, sieht Calestrinia am Dock zwei Gestalten im Rauch stehen. Beide tragen die Tränen der Götter, die den gefallenen reinblütigen Kriegern gehört hatten.
Die Flamme der Fackeln spiegelt sich in den blauen Kanten der Kristalle.
In diesem Moment verkrampft sich etwas in ihrer Brust. Equalina, die Träne der Götter, die sie selbst trägt, beginnt so heftig zu vibrieren, dass sie sie kaum festhalten kann.
Es fühlt sich an, als hätte der Stein Angst.
Als würde er sich verkriechen wollen. Und Calestrinia spürt etwas Unheimliches. Die Gestalten am Dock wissen, dass sie sie sieht.
Sie versteht nun, dass der Krieg nie dem Volk gegolten hatte. Die Linatars jagten die Tränen selbst.
Während die Flotte sich in Richtung offenes Meer bewegt, tobt hinter ihnen die Hölle.
Einige der Schiffe müssen sich durch eine kurze Seeschlacht kämpfen und verlieren Männer und Matrosen.
Andere brechen ganz durch und stoßen in die Weite der See.
Doch der Preis ist unerträglich hoch. Tausende Kalêstrînars erreichen den Hafen nie.
Tausende bleiben zurück, rufen, schreien, flehen, während die letzten Schiffe ablegen. Aus der Ferne sieht Calestrinia, wie der Berg Karteff im Feuerschein aufragt und unter den brennenden Himmel sinkt.
Die Flotte bricht schließlich durch die äußeren linatarischen Ringe und erreicht die offene See.
Ein paar Schiffe brennen, andere sind beschädigt, doch die größten Fregatten schaffen es hinaus.
Und damit beginnt die Flucht eines ganzen Volkes.
Calertinia steht kurz davor das Schiff Capernia zu besteigen während die Stadt Karletin hinter ihr brennt.
