

Narńîel
Der Ursprung einer Seele
Narńîel gehört zu den wichtigsten Figuren der gesamten Geschichte Die Annalen Kalêstrîns.
Auf den ersten Blick wirkt sie wie ein gewöhnliches Elbenmädchen. Sie ist klein, freundlich, naturverbunden und unscheinbar. Doch in Wahrheit reicht ihre Geschichte weit über alle bekannten Zeitalter hinaus.
Ihre Seele ist älter als jedes Reich, älter als die Geschichte der Kalêstrînars und älter als die Königreiche Hilians.
Sie steht im Mittelpunkt des eigentlichen Konflikts zwischen dem Göttlichen und dem Bösen.

Der Wahre Ursprung
50 000 Jahre vor der letzten Narńîel

Narńîel trug ursprünglich einen anderen Namen.
Sie hieß Narńîlianên von Letmanîa.
Letmanîa war ein uraltes Reich, das weder zu Hilian noch zu Lethar gehörte. Es lag in einer längst vergangenen Epoche, in der Menschen, Elben und Engel gemeinsam unter der Obhut des Göttlichen lebten.
Von diesem Reich ist in der Gegenwart nichts mehr bekannt. Es ist vollständig in den Äonen der Zeit verschwunden.
Weder Bücher noch Legenden erzählen noch von seiner Existenz.
Schon als Kind war Narńîlianên außergewöhnlich.
Sie besaß eine tiefe Verbindung zur Natur, eine große Empathie und eine Reinheit des Herzens, die nicht aus Unwissenheit entstand, sondern aus ihrer Art, die Welt zu sehen. Das Göttliche sagt später sinngemäß über sie, dass sie die Welt noch so sehe, wie es sie einst selbst gesehen habe.
Gerade deshalb wurde sie ausgewählt.

Der erste Kampf
Narńîel und das Böse

Als das Böse begann, das Göttliche Stück für Stück zu unterwerfen, war Narńîlianên die erste Seele, die sich ihm entgegenstellte.
Zu diesem Zeitpunkt existierte Equalîna noch nicht. Es gab keine Tränen der Götter.
Keine Splitter. Keine Prophezeiungen.
Narńîlianên musste allein kämpfen. Sie scheiterte.
Doch ihr Tod war kein gewöhnlicher Tod.
Ihr ursprünglicher Körper wurde vom Bösen in der Niederhölle gefangen und befindet sich dort bis heute in einer Art ewiger Stasis. Er kann weder sterben noch befreit werden.
Ihre Seele jedoch entkam durch den Limbus.
Damit begann ein Kreislauf, der unzählige Zeitalter dauern sollte.
Nach ihrem ersten Scheitern wurde Narńîels Seele immer wieder neu geboren. Jede dieser Verkörperungen war dieselbe Seele. Doch jedes Scheitern hinterließ neue Risse. Das Böse wollte nicht einfach ihren Körper vernichten. Es wollte ihre Hoffnung zerstören. Ihre Freude. Ihre Liebe. Ihre Fähigkeit zu vertrauen. Ihre kindliche Sicht auf die Welt. Deshalb wurde Narńîel immer wieder geprüft. Immer wieder verletzt. Immer wieder zerbrochen. Und trotzdem gelang es dem Bösen niemals vollständig, ihren innersten Kern zu vernichten.
Die zersplitterung der Seele
Das Jahr 812 nach dem 2. Exodus



Die Wiedergeburten
Narńîel wurde unzählige Male geboren.
Manchmal starb sie als kleines Kind.
Manchmal als Siebenjährige.
Manchmal als Zwölfjährige.
Manchmal als junge Erwachsene.
In jedem Leben führten die Ereignisse sie irgendwann erneut zum Limbus.
Und jedes Mal scheiterte sie.
Narńîel selbst erinnert sich an keines dieser Leben.
Doch tief in ihrer Seele existieren sie alle gleichzeitig.
Deshalb trägt sie unbewusst die seelischen Wunden unzähliger Existenzen.

Die Enstehung Equalinas
Die Geburt von Equalina

Die Entstehung Equalînas
Während Narńîels Seele immer wieder geboren wurde, setzte das Böse seinen Angriff auf das Göttliche fort.
Es gelang ihm, das Göttliche beinahe vollständig einzukerkern.
Doch das Göttliche zerbrach dabei in Fragmente.
Aus diesen Fragmenten entstanden die Tränen der Götter.
Equalîna ist eine dieser Tränen.
Sie trägt einen Teil des Göttlichen in sich.
Narńîels ursprüngliche Verkörperung kannte Equalîna niemals.
Erst ihre späteren Wiedergeburten konnten überhaupt mit diesem Stein in Berührung kommen.
Das Böse wollte Narńîels Seele endgültig brechen. Gelang dies, hätte das Göttliche endgültig verloren. Um das zu verhindern, erschuf Equalîna eine Zeitschleife. Sie beginnt in dem Augenblick, in dem Königin Calistrinia den Limbus betritt. 827 Jahre später erreicht Narńîel denselben Ort. Scheitert Narńîel, beginnt alles erneut. Doch niemals vollkommen gleich. Menschen treffen andere Entscheidungen. Freundschaften verändern sich. Kriege verlaufen anders. Einzelne Menschen sterben früher oder später. Equalîna bewahrt dabei die Erfahrung jedes gescheiterten Durchlaufs. Narńîel dagegen erinnert sich bewusst an nichts. Sie besitzt nur ihren unveränderlichen inneren Kern.

Die letzte Wiedergeburt
Narńîel im Jahre 819 n. 2nd Exodus

Etwa achthundert Jahre nach der Ankunft der Kalêstrînars auf Hilian wird Narńîel erneut geboren.
Nicht zufällig.
Das Göttliche wählt genau diesen Zeitpunkt.
Denn erst jetzt existiert Equalîna.
Erst jetzt besteht überhaupt die Möglichkeit, den ewigen Kreislauf zu beenden.
Narńîel weiß davon nichts.
Sie kennt ihren ursprünglichen Namen nicht.
Sie kennt ihre Aufgabe nicht.
Sie lebt zunächst wie ein gewöhnliches Elbenmädchen.
Narńîel ist klein, zierlich und wirkt jünger, als sie tatsächlich ist. Sie besitzt lange offene Haare und ein weiches, kindliches Gesicht.
Ihre großen Augen strahlen zugleich Neugier und eine kaum erklärbare Melancholie aus.
Sie trägt einfache Kleidung, einen spitzen rotbraunen Hut und Equalîna an einer schlichten Kette. Nichts an ihrem Äußeren verrät, welche Geschichte ihre Seele in sich trägt.
Ihr Charakter
Narńîel ist freundlich. Mitfühlend. Neugierig. Naturverbunden. Sie liebt Tiere. Sie liebt Wälder. Sie staunt über kleine Dinge. Doch sie ist nicht deshalb besonders, weil sie nie leidet. Sie leidet mehr als jede andere Figur. Sie erlebt Angst. Sie erlebt Wut. Sie wird manipuliert. Sie trägt Spuren des Bösen in sich. Sie macht Fehler.
Und dennoch verliert sie niemals vollständig ihre Fähigkeit, das Schöne im Leben zu sehen. Sie entscheidet sich immer wieder neu für Hoffnung. Nicht weil sie schwach wäre. Sondern weil sie trotz allem liebt. Das macht sie zur letzten Hoffnung des Göttlichen.

Die Schamanin
Die zersplitterte Seele Narniels

Die Schamanin
Später sucht die Heldengruppe eine berühmte Schamanin auf.
Diese Frau kann in die Seelen anderer Menschen blicken.
Sie erkennt die Geheimnisse Adélaïes.
Sie erkennt die Ängste Arkareths.
Sie erkennt die Vergangenheit Hirleths.
Dann versucht sie, in Narńîels Seele zu schauen.
Doch sie findet dort nicht nur Erinnerungen.
Sie findet die Niederhöhle.
Sie sieht unzählige frühere Narńîels.
Sie erlebt das Böse in seiner reinsten Form.
Sie spürt die endlosen Foltern.
Sie erlebt den Schmerz jeder einzelnen Verkörperung gleichzeitig.
Sie fühlt, wie das Böse Schönheit korrumpiert, Hoffnung zerstört und Seelen langsam zerbricht. Sie erkennt, dass Narńîels Seele über unzählige Leben hinweg immer wieder verletzt wurde. Dieses Grauen ist so groß, dass ihr Verstand daran zerbricht. Narńîel versteht davon nichts. Sie sieht nur einen leidenden Menschen. Aus Mitgefühl bittet sie Equalîna, der Schamanin zu helfen. Zum ersten Mal zeigt Equalîna offen ihre Macht. Der Stein löscht die traumatischen Erinnerungen der Schamanin und rettet ihren Geist.

Calestrina und Narniel
Der Limbos wo alles begann

Die Begegnung mit Calestrinia
Im Limbus begegnet Narńîel Königin Calistrinia.
Obwohl beide aus völlig verschiedenen Zeitaltern stammen, kämpfen sie gemeinsam.
Calistrinia bringt ihre Geschichte, ihre Blutlinie und ihre Verbindung zu Equalîna mit.
Narńîel bringt den unzerstörbaren Kern ihrer Seele mit.
Gemeinsam gelingt ihnen schließlich das, woran zahllose frühere Versuche gescheitert sind.
Das philosophische Finale
Am Ende besiegt Narńîel das Böse nicht durch größere Macht. Sie spricht mit ihm. Das Böse hat sich auf seiner Suche nach Identität selbst verloren. Narńîel erkennt seine Schuld. Sie erkennt seinen Ursprung. Sie entschuldigt seine Taten nicht. Doch sie versteht, dass weder das Gute noch das Böse über dem freien Willen stehen dürfen. Der freie Wille ist das größte Geschenk des Göttlichen. Er macht Liebe überhaupt erst möglich. Deshalb steht das Göttliche über Gut und Böse. Nicht weil es zwischen beiden gleichgültig wäre. Sondern weil es Freiheit bewahrt. Nur Narńîel kann diese Wahrheit vollständig verstehen.
Das Opfer
Nach der Befreiung kehrt Calistrinia in ihre eigene Zeit zurück. Narńîel dagegen verliert ihre Gegenwart. Sie kehrt nicht zu ihren Freunden zurück. Sie wird viele Jahrtausende in die Vergangenheit Hilians versetzt. Dort beginnt ein völlig neues Leben.

Die Urelben
Die geburt der Urelben

Die Urelben
In dieser fernen Vergangenheit bekommt Narńîel mit einem bislang unbekannten Wesen ein Kind.
Aus ihrer Linie entsteht später das Volk, das als Urelben bekannt wird.
Diese Urelben sind biologisch keine reineren Elben.
Ihr besonderer Ruf entsteht durch ihre Kultur und durch Narńîels Vermächtnis.
Sie erzählt ihnen von Equalîna.
Von den drei Splittern.
Von Ereignissen, die für sie bereits Vergangenheit, für alle anderen jedoch noch Zukunft sind.
Ihre Erzählungen werden zu Legenden.
Die Legenden werden zu Mythen.
Die Mythen werden zu uralten Ruinen. Das Reich der Urelben geht schließlich unter. Nur seine Ruinen bleiben bestehen.
Das große Paradox
Jahrtausende später entdecken Zanthomyl und Phrêphiên diese Ruinen. Sie finden Darstellungen der gebrochenen Equalîna und der drei Splitter. Diese Bauwerke sind älter als die Ankunft der Kalêstrînars auf Hilian. Niemand kann erklären, wie dieses Wissen dorthin gelangte. Nur der Leser erfährt irgendwann die Wahrheit. Diese Geschichten stammen von Narńîel selbst. Sie erzählte von ihrer eigenen Vergangenheit, die gleichzeitig die Zukunft der Welt war.
Die wahre Bedeutung Narńîels
Narńîel ist nicht die wichtigste Figur, weil sie die mächtigste ist.
Sie ist die wichtigste Figur, weil sie trotz unzähliger Leben, trotz endloser Qualen, trotz Wut, Angst und Schmerz niemals vollständig aufhört, an Schönheit, Hoffnung und Mitgefühl zu glauben. Sie erinnert das Göttliche daran, wie die Schöpfung einst gedacht war.
Und genau deshalb wird aus einem kleinen, unscheinbaren Elbenmädchen die letzte Hoffnung einer ganzen Welt.