

Die Inseln der Naguanias

Die Inseln der Naguanias sind ein paradiesisches Wunder und zugleich der gefährlichste Ort des Kontinents.
Zwischen ihnen jagen die Naguanias uralte Seeungeheuer, so riesig, dass sie selbst große Schiffe in wenigen Minuten verschlingen können. Sie beherrschen die Tiefen, gleiten durch Schluchten im Meeresboden und ernähren sich von Kreaturen, deren Existenz kaum jemand begreift.
Nur wenige Wasserwege zwischen den Inseln gelten als halbwegs sicher, und selbst dort verlangen Strömungen und enge Kanäle höchste Seemannskunst.
Darum liegen an vielen Küsten gestrandete Wracks, stille Zeugen gescheiterter Expeditionen.
Trotz alldem zieht die Inselgruppe Abenteurer, Forscher und Glücksritter magisch an. Die Landschaft ist von unirdischer Schönheit. Kristallklares Wasser in Weiß, Türkis, Hellblau und bei Sonnenuntergang ein glühendes Orange.
Strände, die weit ins Meer hinausragen. Tropische Wälder und Palmenhaine, seltene Früchte, neue Tierarten und unberührte Natur. Wasserfälle stürzen in smaragdgrüne Seen.
Unter der Erde liegen Gold, Silber und Diamanten in einer Dichte, die Hylian sonst nirgendwo kennt.
Es ist wahrscheinlich der reichste und exotischste Ort des ganzen Kontinents.
Der Zugang jedoch ist beinahe ein Todesurteil. Seit fünfzehn Jahren hat nur ein einziges Schiff die Inselregion wiederholt betreten und lebend verlassen der Blaue Wal ein eigenartig gebautes, blitzschnelles Schiff mit riesigen blauen Segeln.
Sein Rumpf wirkt fast organisch und trägt eine Form, die man in keinem anderen Hafen der Welt kennt.
Über seinen Kapitän weiß man fast nichts. Man nennt ihn nur den Wanderer von Neb Beru.
Er stammt aus dem Wüstenreich, ist dunkelhäutig, schweigsam und von einer Präsenz, die jeden Raum still werden lässt.
Seine Vergangenheit ist ein Rätsel. Manche behaupten, er sei ein verstoßener Adliger.
Andere sehen in ihm einen Überlebenden alter Sklavenzüge. Wieder andere glauben, er stamme aus einer verbotenen Siedlung tief in den Dünen. Nichts ist bewiesen.
Man weiß nur, dass niemand so fährt wie er.
Der Blaue Wal ist außerdem das einzige bekannte Schiff, das je einen kleineren Naguanas nicht nur überlebt, sondern gejagt und an Land gebracht hat.
Die Matrosen erzählen in Tavernen, wie das Ungeheuer aus der Tiefe schoss, wie seine Augen wie zwei glühende Lichter durch das Meer schnitten, und wie der Kapitän sein Schiff mit einer Präzision manövrierte, die an Magie grenzte.
Seit diesem Tag gilt der Blaue Wal als lebende Legende.
Wer das Schiff am Horizont sieht, erzählt meist von einer Geschwindigkeit, die unmöglich wirkt.
Von Segeln, die im Wind heller blau werden. Von Planken, die unter den Füßen vibrieren wie ein Herzschlag. Von einer Besatzung, die mutiger ist als alle anderen, weil sie längst begriffen hat, dass Furcht in den Naguanias nicht überlebt.
Und so bleiben die Inseln eine Schatzkammer und ein Grab zugleich. Ein Ort voller Reichtum und Wunder, der sein Versprechen teuer bezahlt lässt. Nur der Blaue Wal kehrt immer wieder zurück ein Schiff, das die Grenzen des Möglichen bricht, gesteuert von einem Mann, der selbst ein Geheimnis ist.

























